Ehrlicherweise hatte ich weder von Ernst Barlach noch von Eduard Bargheer je gehört. Trotzdem steuerten wir auf der Durchfahrt bei strömenden Regen den Jenischpark in Hamburg-Othmarschen an, in dem beide Museen liegen, weil es nach einer perfekten Gassirunde für Zino mit Museumsbesuch für uns aussah.
Der Jenischpark gehört der Stadt Hamburg und ist mit seinem 24 ha ein schönes Naherholungsgebiet für alle Hündeler, Jogger und Spaziergänger der umliegenden Villengegend. In ihm liegen ausserdem drei Museen: Das Jenischhaus, das wir nicht besucht haben, das Ernst Barlach Haus und das Bargheer Museum.
Ernst Barlach Haus
Das Ernst Barlach Haus wurde 1962 von dem Kunstmäzen Hermann F. Reemtsma gegründet und widmet sich ganz dem Werk Barlachs. Neben Skulpturen werden dort auch Zeichnungen, Druckgrafiken und literarische Arbeiten gezeigt. Die Architektur des Museums ist sehr schlicht und soll offenbar die Konzentration auf Barlachs künstlerisches Schaffen unterstreichen.


Auch wenn ich ihn vorher nicht kannte :(, war Ernst Barlach (1870–1938) wohl ein sehr bedeutender deutschen Bildhauer. Die gezeigten, sehr ausdrucksstarken Skulpturen zeigen menschliche Figuren in schlichter, eindringlicher Form. Zum Zeitpunkt unseres Besuches, war die Ausstellung seiner Werke im Zusammenspiel mit den Werken der belgischen Künstlerin Berlinde de Bruyckere zu sehen. Ziemlich kraftvoll! Während der NS-Zeit wurden viele seiner Arbeiten als „entartete Kunst“ diffamiert und entfernt. Das wundert mich gar nicht, wirken die Skulpturen doch zutiefst menschlich und verletzlich.


Bargheer Museum
Das kleine Museum beinhaltet den künstlerischen Nachlass von Eduard Bargheer, der 1901 auf Finkenwerder geboren wurde. Ausgestellt sind Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken.
Sein Frühwerk war expressionistisch beeinflusst, teils dunkler, gegenständlich geprägt. Aber im Laufe der Zeit entwickelte sich sein Stil immer mehr in Richtung abstrakt-lichtdurchfluteter Landschaftsdarstellungen. Dies lässt sich in der Ausstellung sehr gut nachverfolgen. In seinen späteren Werken dominieren lichte Aquarelle und Gemälde mit mosaikartigen Strukturen, in denen Farbe, Licht und Form stark miteinander verwoben sind.





Auch seine Werke galten während der NS-Zeit als entartet. Er verbrachte die Kriegsjahre auf Ischia und kam erst später nach Deutschland zurück. 1955 nahm er an der ersten Documenta in Kassel teil.



